DIE STARTAMPEL

Warum die Startampel im Dragsterjargon als CHRISTMAS TREE bezeichnet wird, kann man  beim Blick auf das Bild links schon erahnen. Aufgrund der vielen bunten Lampen ist sie einem geschmückten Weihnachtsbaum gar nicht so unähnlich. Je nach Ausführung sind am Tree bis zu 40 Leuchtmittel befestigt. Gehen wir die Ampel nun mal systematisch von oben nach unten durch - dies entspricht auch der Reihenfolge, in der die Lampen während eines Rennens aufleuchten.

 

PRE STAGE:  Das sind die Lampen die aufleuchten, wenn der Fahrer mit dem Vorderrad seines Fahrzeugs die erste Lichtschranke auslöst. Die PRE STAGE Leuchten sind dazu bestimmt dem Fahrer anzuzeigen, dass Er nur noch wenige Zentimeter von der Startlinie entfernt ist. Diese Funktion ist vor allem bei Fahrzeugen hilfreich, bei denen man die Positon des Vorderrades nur erahnen kann, erleichtert den gesamten Prozess aber auch bei Bikes, Quads und Trikes generell sehr.

 

STAGE:  Durch das Aufleuchten der STAGE Lampen wird dem Fahrer angezeigt, dass Er nun die Startlinie erreicht hat. Außerdem bedeutet es Nervenanspannung pur, denn jetzt muß an der Startlinie regungslos ausgeharrt werden, bis die Ampel auf grün schaltet.

 

Zu diesen beiden Lampen möchte ich noch ein paar Bemerkungen loswerden. Im Interesse der sportlichen Fairness und des Respekts vor dem Gegner ist es normalerweise üblich, die Staging Lights im Wechsel auszulösen. Das bedeutet, dass ein Fahrer in die PRE STAGE Lichtschranke rollt und dann darauf wartet, dass der Gegner das Gleiche tut. Wenn das geschehen ist, rollt der jenige, der zuerst ins PRE STAGE gefahren ist, in die STAGE Lichtschranke und der Gegner folgt wiederrum. Es gibt Veranstaltungen, auf denen Verstöße gegen diese Regel mit Disqualifikation bestraft werden, auf anderen hat es keine Folgen. Ein weiterer Grundsatz ist der, dass die PRE STAGE Lampe weiterleuchten muß, wenn der Fahrer in die STAGE Lichtschranke rollt. Tut sie das nicht, nennt man das DEEP STAGE und führt ebenfalls zur Disqualifikation. Auch hier gibt es aber wieder Ausnahmen. Allein über die Stagingprozedur kann man eine Doktorarbeit schreiben. Es gibt einige Tricks und Kniffe, wie man sich hier schon vor dem Start des eigentlichen Rennens einen kleinen Vorteil verschaffen kann.

 

Einer ist zum Beispiel der, die Vorderräder um ein paar Zentimeter gegeneinander zu versetzen. Dadurch vergrößert sich der Radstand auf einer Seite des Fahrzeugs ein wenig. So kommt es, dass ein Rad eigentlich schon zu weit über der Startlinie steht und die PRE STAGE Lichtschranke normalerweise nicht mehr unterbrochen sein würde. Das Rad auf der Seite mit dem kürzeren Radstand sorgt aber dafür, dass die PRE STAGE Lampe anbleibt und somit kein DEEP STAGE vorliegt. Bringt der Gegner nun ein Fahrzeug an den Start, bei dem der Radstand auf beiden Seiten gleich ist, können diese paar Zentimeter, die das Fahrzeug mit dem ungleichen Radstand dem anderen Fahrzeug vorraus hat, im Ziel unter Umständen den Sieg bedeuten. Unter diesem Abschnitt findet ihr eine Skizze, auf der das eben Beschriebene noch einmal bildlich dargestellt ist. Einfach draufklicken, dann vergrößert sich die Zeichnung.

AMBER LIGHTS:  Unterhalb der STAGE Leuchte sitzen die drei gelben Lampen. Sie werden auch als YELLOW LIGHTS oder AMBER LIGHTS bezeichnet. Sie leuchten auf nachdem beide Fahrzeuge korrekt eingestaged sind und der Starter die Ampel ausgelöst hat. Je nach Klasse unterscheidet man hier zwischen zwei Varianten - FULL TREE und PRO TREE. Beim FULL TREE leuchten die Lampen nacheinander auf, beim PRO TREE gleichzeitig. Der zeitliche Abstand des Aufleuchtens der drei gelben Lampen beim FULL TREE beträgt 0,5 Sekunden und im gleichen Abstand folgt darauf die Startfreigabe durch die grüne Lampe. Beim PRO TREE ist der Abstand zwischen gelb und grün mit 0,4 Sekunden ein wenig geringer.

 

In der Regel leuchten die gelben Lampen für beide Bahnen synchron zueinander auf. Das ist entweder dann der Fall, wenn Klassen an den Start kommen, bei denen es tatsächlich auf die schnellste Zeit ankommt (das sind dann die sogenannten HEADS UP Klassen) oder dann, wenn es eine vorgeschriebene Zeit für beide Seiten gibt. Als wäre das noch nicht genug, gibt es beim FULL TREE noch eine weitere "Untervariante", die ich im Folgenden etwas näher erklären möchte.

 

Hierbei handelt es sich um das zeitversetzte Auslösen der gelben Lampen. Dies wird als HANDICAP START bezeichnet. In diesem Fall darf ein Fahrer früher als der andere die Startlinie verlassen. Das wird immer dann so gemacht, wenn Klassen ihre Rennen ausfechten, in denen jeder Fahrer vorher angibt welche Zeit Er fahren möchte. Das nennt man dann BRACKET RACING. Welche Bewandnis das hat, erkläre ich im Abschnitt REGELN UND KLASSEN etwas näher. Hier soll erst einmal nur erklärt werden, welchen Einfluss das auf die AMBER LIGHTS hat. Nehmen wir mal an, dass in einer solchen Klasse zwei Fahrer an den Start kommen, die unterschiedliche Zeiten angegeben haben. Einer davon will 5 Sekunden fahren und der andere hat 5,5 Sekunden angegeben. In diesem Fall wäre es so, dass der Unterschied zwischen diesen beiden Zeiten 0,5 Sekunden beträgt. Diese Differenz wird jetzt zum Startzeitpunkt des voraussichtlich Schnelleren dazu addiert. An der Ampel wirkt sich das dann so aus, dass auf der Seite des Fahrers, der die Strecke in 5,5 Sekunden zurücklegen möchte, die gelben Lampen 0,5 Sekunden eher anfangen aufzuleuchten. Dies hat zur Folge, dass das grüne Licht ebenfalls 0,5 Sekunden eher zu sehen ist. Im Ergebnis fördert dies die Spannung, da theoretisch beide Fahrer zeitgleich das Ziel erreichen müssten. Hier macht aber die Praxis einen Strich durch die Rechnung, da ein Fahrzeug durch verschiedene Faktoren oftmals abweichende Zeiten auf die Strecke bringt. Zudem gibt es noch den schwer berechenbaren Faktor der Reaktionszeit, die von Rennen zu Rennen auch immer etwas unterschiedlich ist. Die Reaktionszeit wird auch als REACTION TIME oder kurz RT bezeichnet.

 

GREEN LIGHT:  Das grüne Licht ist letztendlich die Startfreigabe. Wie schon im vorrangegangenen Abschnitt beschrieben, leuchtet es - je nach Schaltung - 0,4 oder 0,5 Sekunden nachdem das gelbe Licht erloschen ist, auf.

 

Mit dem GREEN LIGHT ist es so eine Sache. Entweder man geht auf Nummer sicher und wartet, bis man es wirklich deutlich sieht oder aber man pokert und gibt vorher Gas. Im ersten Fall hat man das Rennen mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits an der Startlinie verloren. Denn mit dem grünen Licht kommt ein weiterer, im Sand Drag Racing extrem wichtiger Faktor ins Spiel. Gemeint ist die, vorhin schon kurz erwähnte, Reaktionszeit. Eine gute RT bedeutet, dass ein Fahrer die STAGE Lichtschranke exakt in dem Augenblick verlässt, wenn das GREEN LIGHT zu leuchten beginnt. Die theoretisch optimale Reaktionszeit würde also bei 0,000 Sekunden liegen. Diese wird jedoch nur extrem selten erreicht.

 

Es gibt viele Faktoren, die in die RT mit einfließen. Da wäre zum Einen die verzögerte Wahrnehmungsfähigkeit des Fahrers selbst und dann ist da ja auch noch die Tatsache, dass das Renngerät auch verzögert reagiert. Je nach Luftfeuchte, Temperatur usw. ist die Verzögerung dann auch nicht immer gleich und beim Menschen gibt es auch bessere und schlechtere Tage. Aufgrund dieser Unwägbarkeiten gilt eine Reaktionszeit, die im Bereich von etwa 0.010 Sekunden liegt, im Allgemeinen als perfekt.

 

Die RT ist ein so wichtiger Faktor, dass sie rennentscheidend sein kann. Denn die reine gefahrene Zeit, die so genannte ELAPSED TIME oder auch kurz ET und die Reaktionszeit sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Am Ende der Fahrt werden sie dann zusammengerechnet und die geringere Zeit gewinnt. Zur Verdeutlichung dessen hier mal ein einfaches Rechenbeispiel. Fahrer A hat eine ET von 4,5 Sekunden und Fahrer B hat 4,2 Sekunden benötigt. Die Reaktionszeit von Fahrer A lag bei 0,1 Sekunden und Fahrer B brauchte 0,5 Sekunden. Macht in der Summe bei Fahrer A 4,6 Sekunden und bei Fahrer B 4,7 Sekunden. Trotz der längeren Fahrzeit hat Fahrer A durch seine bessere Reaktionszeit gewonnen. In so einem Fall spricht man dann von einem HOLE SHOT.

 

RED LIGHT:  Die rote Lampe zeigt an, wann ein Frühstart vorliegt, ein Fahrer also zu hoch gepokert hat und aus der STAGE Lichtschranke gefahren ist, als das GREEN LIGHT noch nicht geleuchtet hat. Wenn das so ist, hat sich derjenige automatisch aus dem Rennen befördert und sein Gegner kann eine materialschonende Spazierfahrt antreten. Sollten beide Fahrer ein RED LIGHT produzieren, greift der Grundsatz FIRST IS WORST. Das bedeutet das derjenige, der zuerst losgefahren ist, verloren hat.

 

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